Ein bisschen Geschichte...
Beitrag aus dem Weser Kurier (von Malte Bürger)
GANDERKESEE.
Ein neuer Fleck auf der Landkarte
Mit den Kickers Ganderkesee bereichert ab dem Sommer ein frisch gegründeter Verein die regionale Fußballwelt
Ob nun im Profigeschäft oder im Hobbybereich – irgendwann brauchen Fußballer einfach einen Tapetenwechsel.
Jüngstes prominentestes Beispiel ist Tim Borowski, der nach zwölf Jahren beim SV Werder Bremen zum FC Bayern München wechselt, um noch einmal ein neues Abenteuer zu erleben. Ähnliches spielt sich derzeit auch im Team von Sven Menßen ab, der gleich mit einigen Mannschaftskollegen einen Neuanfang starten will, allerdings auf einem eher unkonventionellen Weg – sie gründeten gleich einen komplett neuen Verein.
Die Kickers Ganderkesee werden ab diesem Sommer die Fußball-Landschaft der Region bereichern. Die eher unübliche Entscheidung zur Neugründung hat jedoch einen einfachen Grund. Einige Spieler der zweiten Herrenmannschaft der SG Bookhorn schnüren bereits seit neun Jahren die Schuhe für ihren bisherigen Verein. Doch jetzt sollte es noch einmal etwas Neues sein. Während andere Teams in der jüngeren Vergangenheit gleich komplett den ganzen Verein gewechselt haben, dort dann aber auch nicht unbedingt zufrieden waren, entschloss man sich hier für die Alternative. „Ich habe nichts gegen die SG Bookhorn. Ich mag diesen Verein“, erklärt Menßen die Abkopplung. „Wir wollen jedoch einen Verein gründen, bei dem in erster Linie der Spaß im Vordergrund steht.“ Deshalb stört es auch keinen Spieler des Teams, dass weiterhin in der 4. Kreisklasse gekickt wird. Kein Konkurrenzprodukt zum TSV „Wenn wir irgendwann einmal zwei, drei Klassen höher spielen, wäre das schön“, meint Hartmut Findeisen, 2. Vorsitzender der Kickers. „Aber, ob wir selbst dann überhaupt noch dabei sind, kann keiner vorher wissen.“ Ohnehin sieht sich der neue Ganderkeseer Verein, der seine Spiele zukünftig auf der Anlage am Habbrügger Weg austragen wird, nicht als Konkurrenzprodukt zum großen TSV. „Sollten wir wirklich mal in höhere Klassen kommen, dann vertrete ich eher den Standpunkt, die Kräfte zu bündeln“, schildert Menßen. Vor einem eventuellen Wildern zum Ausbau der eigenen Junioren- und Senioren-Abteilungen solle daher auch keiner Angst haben. „Das ist keinesfalls unsere Absicht“, bekräftigt Menßen. Doch momentan ist dies alles ohnehin Zukunftsmusik. In erster Linie wollen und sollen sich ein paar Liebhaber des runden Leders regelmäßig treffen, um ihrer Leidenschaft nachzugehen. Dennoch soll dies weiterhin auf Wettkampfebene vonstattengehen. „Sonst hätten wir ja auch eine Thekenmannschaft aufmachen können. Aber genau das wollen wir ja eben nicht“, erklärt Findeisen. „Deshalb haben wir jetzt einen neuen Klub ohne große Vereinshierarchie gegründet“, fügt Menßen an. Bis zum endgültigen Saisonstart wartet jedoch noch ein wenig Arbeit auf den Vorstand, denn neben dem Papierkram beim Verband müssen auch noch sportliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Eine vollständige Mannschaft gibt es bisher nämlich noch nicht. Denn nicht alle Akteure wechseln den Verein, einige Spieler wollen die erste Bookhorner Elf unterstützen. Horst Scherschanski, Sportwart der Bookhorner, ist verständlicherweise etwas enttäuscht, dass ein Teil seiner Fußballabteilung wegbricht. „Grundsätzlich habe ich aber nichts dagegen, dass sie sich selbstständig machen. Nur die Art und Weise finde ich nicht so gut.“ So bemängelt er unter anderem, dass die Gemeinde den Kickers alle Möglichkeiten stellt, während sie selbst die Pacht für ihre Anlage zu zahlen hätten. Auch die Geschwindigkeit der Zulassung habe ihn doch sehr verwundert. „Ich kann absolut verstehen, dass Horst enttäuscht ist“, räumt Menßen ein. „Schließlich ist die SG Bookhorn sein Baby.“ Doch ebenso wie Scherschanski seinen Spross groß gezogen hat, wollen nun auch Sven Menßen und seine Helfer den Kickers Ganderkesee das Laufen beibringen.